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Wie kommt ein Mensch zum Zupf- und Streichinstrumentenbau?

1. August 2015

1950 lernte ich auf der Fachhochschule für Innenarchitektur in Berlin einen Studenten kennen, der sich gerade eine Akustik-Schlaggitarre baute und ein Freund des Zupfinstrumentenmachers Rosmeisel war, der die begehrten „Roger-Gitarren“ in Berlin baute. Denn: nach dem Krieg brachten die Amerikaner die Jazzmusik wieder nach Deutschland und somit eine enorme Nachfrage nach den entsprechenden Instrumenten. Die deutschen Behörden haben uns 12 Jahre lang diese Musik verboten, nach der Musikbegeisterte so hungrig waren. Der große Gitarrist Coco Schumann aus Berlin hat im KZ mit seiner Kapelle überlebt und nach 1945 mit Helmut Zacharias in Berlin von neuem beginnen können. Er schildert diese Zeit in seinem Buch auf erschütternde Weise. Seine erste Gitarre war eine „Roger“. 14 Tage Studentenjob bei „Roger“ reichten, um als „Quereinsteiger“ Schlaggitarren und Hawaiigitarren selber bauen und auch verkaufen zu können. „Gibson-Gitarren“ aus USA waren unser großes Vorbild.

360,00 DM West – damaliger Wert in Ost ca. 1.450,00 DM – erhielt ich für meine leicht spielbaren, gut klingenden, mit Schnitzeisen ausgearbeiteten (Boden und Decke) Akustik-Gitarren. Diese wurden bereits damals mit den ersten Tonabnehmern von Ing. Rudi Bremer, der auch die Verstärker baute, ausgestattet.

Westberliner Studenten erhielten 1953 von den englischen Besatzungsmächten in Berlin provisorische Reisepässe mit dreimonatiger Gültigkeit. Die Ostausweise aus dem russischen Sektor in Berlin wurden für diese Zeit am Flughafen Tempelhof hinterlegt. Dies ermöglichte mir zweimal eine Reise nach Italien, finanziert vom „Gitarrengeld“. Auf der Rückfahrt über Mittenwald habe ich bereits damals das erste Holz für eine Geige gekauft, mit der Vorstellung und dem Wunsch, irgendwann einmal eine Geige zu bauen.

Als selbstständiger Architekt faszinierten mich nun jedoch erst die hoch-interessanten Bauprojekte , die ich mit meinen Teammitarbeitern in fast 40 Jahren erstellen konnte. Und erst nach dieser Zeit entstand 1998 meine erste Geige.

Zunächst einmal habe ich viel über Instrumentenbau gelesen, u.a. von:

asdfasdf Meine erste Geige war am 15.06.1998 fertig. Da ich den Klang im Vergleich zu anderen Geigenbauern nicht beurteilen konnte, lieh ich mir von der ersten Geigenbaumeisterin in Berlin, die beim bekannten Geigenbaumeister Möckel ihre Ausbildung erhalten hatte, eine Meistergeige aus. Prof. Zeller von der Hanns Eisler Musikhochschule in Berlin war bereit, Klangversuche mit diesen beiden Geigen durchzuführen. Danach ermunterte er mich, mit dem Satz: „Von den beiden Geigen würde ich einem Musikstudenten Ihre Geige zum Kauf empfehlen“. Das motivierte mich natürlich!

Dankbar bin ich u.a. Frau Prof. Tabea Zimmermann, die meine erste Bratsche beurteilt und Hinweise zur Verbesserung gegeben hat. Mit einigen Instrumenten bin ich zur Musikhochschule nach Salzburg zu Herrn Prof. Bergmann gefahren, der heute an der Mainzer Musikhochschule lehrt, ebenso wie zu Herrn Prof. Tluck nach Augsburg. In seinem Quartett wurde eine meiner Geigen gespielt sowie eine Bratsche von Herrn Faessler, Musikpädagoge in München. Luca Primon Dozent an der Geigenbauschule in Cremona / Italien und Geigenbauer gab weitere gute Anregungen. Die leichte Ansprache wurde immer wieder bei meinen Instrumenten hervorgehoben, ohne, dass ich begründen könnte, woran das liegt. Bezüglich der Namen, die ich meinen Instrumenten gegeben habe, kann ich nur sagen, dass sie nicht willkürlich gewählt wurden, sondern in enger Beziehung zu meinem Leben stehen. Insbesondere ist ein Name hervorzuheben: für die Viola Nr. 26 „RUTH“. Sie lebte mit ihrer Mutter benachbart in Berlin Köpenick und war mit meinen Eltern und unserer Familie eng befreundet. Von deutschen Institutionen wurden diese beiden jüdischen Menschen verraten und im KZ umgebracht.

Prof. Zeller vermittelte mir von seinen Berliner Studenten das erste Quartett, das bereit war auf meinen neuen uneingespielten Instrumenten ein Konzert zu geben. In Groß-Ziethen bei Berlin in einem alten Schloßsaal, wurden im August 2001 mein erstes Cello, meine 3. Bratsche und zwei Violinen Nr. 3 und Nr. 6 zum Klingen gebracht. Es war schon erhebend und eine große Befriedigung für mich nach so intensiver Arbeit in meiner Werkstatt, diesen Augenblick zu genießen! Einige der klanglich besten Instrumente habe ich an Studenten – Geiger und Geigerinnen – verschenkt. Mögen diese in den Händen der Künstler in der Zukunft die schönsten Klänge von sich geben.

Diese sinnstiftende Tätigkeit möchte ich in meinem Leben nicht missen. Immer wenn wieder ein Instrument fertig ist, bin ich begeistert von dem schönen Material Holz mit seiner unterschiedlich feurigen Maserung. Dazu kommen die interessanten Menschen, die ich kennen lerne, und das wunderbare Erlebnis, dass Konzertmusiker aus bekannten Orchestern meine neuen Instrumente im Quartett zum Klingen bringen. Bogenbau und Laborversuche mit Naturharzen, um hinter das Geheimnis des idealen Lackes zu kommen, wecken meine Neugier. All das beflügelt mich und lässt mich jung bleiben.

Übrigens: Herr Wolfgang Fiwek hat im Vincentz-Verlag ein Buch über meine Arbeiten veröffentlicht: Geigenbau - eine Anleitung zum Selbstbau von Violine und Viola.

Veröffentlichungen

Geigenbau - eine Anleitung zum Selbstbau von Violine und Viola

von Wolfgang Fiwek - erschienen Juni 2013

Wolfgang Fiwek hat ein Buch über meine Arbeiten veröffentlicht. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Bildquelle: Vincentz Verlag


Instrumente von Klaus Andrees

von Sven Adolph, Annemarie Andrees, Klaus Andrees - erschienen 2011

2011 ist in Zusammenarbeit mit meinem Enkel ein Buch über meine Instrumente entstanden. Das komplette Buch kann man hier kostenlos einsehen. Es enthält unter anderem Baupläne und Bilder der Instrumente.